WAHRnehmen

Jeder von uns ist allwissend. Wir müssen lediglich unser Bewusstsein öffnen, um unserer eigenen Weisheit zu lauschen. Das Herz kennt den Weg.

(Buddha)

In der Praxis der Achtsamkeit geht es um das Wahrnehmen dessen was ist. Alles ganz wahrnehmen. Unverzerrt, unverblümt den Blick auf die Dinge richten, die unser Geist oft durch selbst- und fremdkonstruierte Vorstellungen von anderen und sich selbst verstellt. Das bedeutet sowohl das, was im Außen, als auch das was im Inneren liegt zu erkennen. Und bevor der Wunsch auftaucht, die anderen zu erkennen, sollten wir uns selbst erkennen. So schrieb schon Laotse: Andere zu erkennen ist Weisheit, sich selbst zu erkennen ist Erleuchtung.

Die Achtsamkeitspraxis wird heute vornehmlich zur Stressbewältigung genutzt. Dabei geht es aber um mehr, als nur den Stress zu reduzieren. Ganzheitliche und intuitive Aspekte gezielt zu schulen bzw. zu fördern ist einer der Aspekte. So kann diese Art von Schulung als der Gegenpol zu den im Westen eher rational und logisch ausgerichteten Bildungsmaßnahmen betrachtet werden. Wir lernen Lesen und Rechnen in der Schule, uns selbst und die anderen besser zu verstehen und zu erkennen, ist leider nicht Bestandteil der Ausbildung. Dafür müssen wir uns selbst kümmern.

Wahrnehmen bedeutet, etwas für wahr zu nehmen. Es ist also was Wahres, Echtes was in uns wahrgenommen werden möchte. Fühlt es sich nicht wahrgenommen, meldet es sich, bis wir es erkennen. So können sich Neurosen und körperliche Beschwerden manifestieren, weil wir uns durch falsche Vorstellungen und Ziele von uns selbst distanzieren. Wir sind nicht echt und leben nicht im Einklang mit uns selbst. Das Echte will leben. Es braucht Raum, um sich zu entfalten. Das Unechte ist die Illusion, die keine Substanz hat, um uns zu nähren.

Ein Fisch wird in der Wüste verdursten, ein Kamel im Wasser ertrinken. Wir Menschen haben trotz vielen Gemeinsamkeiten einen individuellen Kern. Die Einzigartigkeit dieses Kerns und das was sich durch ihn in uns zeigen und entfalten will, ist eine Aufgabe auf unserem Lebensweg. Es gilt seinen wahren Kern zu erkennen und sein Leben zu leben. Nicht überleben, sondern ganz und authentisch leben. Das bedeutet im Fluss des Lebens zu sein.

Hast Du Dir mal die Frage gestellt, was Du wirklich willst? Wofür Du brennst, was Dir im Leben wirklich wichtig ist?
Bist Du glücklich mit dem was Du tust? Bist Du in Frieden mit Dir selbst?

Von Zeit zu Zeit sollten wir Rast einlegen und uns unseren wahren Bedürfnissen zuwenden. Dafür braucht es einen Zwischenhalt im Leben. Im rasenden Tempo des geschäftigen Alltags können wir nicht viel wahrnehmen. Es braucht Stille und Ruhe, um den tieferen „Geheimnissen“ inne zu werden. Die Intuition ist ein Gefühl, welches uns sagt, was wir wirklich wollen.

Der Körper sendet uns oft hilfreiche Signale. So sind Körperempfindungen, die wir wahrnehmen, Botschaften, dass etwas stimmt oder nicht stimmt. Ein freies Fließen im Körper oder Verspannungen melden uns das ziemlich klar. Es ist die Weisheit des Körpers. Der Körper ist wesentlich authentischer als die Sprache. Hinter den Wörtern können wir uns eher verstecken. Wir können verdrängen, verleugnen, rationalisieren, bagatellisieren und schönreden. Wir können uns selbst belügen, aber unser Körper wird fühlen, wie er zu fühlen hat.

Die Einladung ist öfters mal im Alltag ins Spüren zu kommen und nach innen zu lauschen. Vielleicht gibt es dort ein Geheimnis, das auf uns schon länger wartet.