Wann man auf seine Intuition hören sollte

Wie soll ich in einer komplexen Situation entscheiden, wenn ich die Konsequenzen meiner Handlung nicht abschätzen kann?  

Das Magazin „Der Neue Finanzberater“ stellt mein Buch vor und geht mit dem Eingangssatz der Frage nach, wie in unserer komplexen Welt gute Entscheidungen getroffen werden können. Die richtige Entscheidung zu treffen betrifft alles Lebensbereiche und spielt bei jedem, ob im Beruf, bei finanziellen Angelegenheiten, der Partnerwahl oder bei alltäglichen und auch banaleren Dingen ständig eine Rolle.

Könnte uns hier unsere Intuition helfen? Eric Czotscher, verantwortliche Redakteur des Magazins, schreibt bei der Vorstellung meines Buches Folgendes:

Wie soll ich als Mensch und Finanzberater in einer komplexen Situation entscheiden, wenn ich die Konsequenzen meiner Handlung nicht abschätzen kann?

Sei es in einem Beratungsgespräch oder bei Investmententscheidungen: Kann mir mein Bauchgefühl, meine Intuition eine Hilfe dabei sein? „In manchen Lebenssituationen führt Intuition zu besseren Entscheidungen als langes Nachdenken und Abwägen“, sagt der Bildungscoach, Achtsamkeitslehrer und Buchautor Renato Kruljac. Es komme aber auf die Art der Entscheidung an und darauf, ob man den Zugang zur eigenen Intuition habe. Denn was oft als „Bauchgefühl“ bezeichnet werde, könnten auch Ängste, eingeschliffene Reaktionsmuster oder gelernte Assoziationen sein.

In seinem Buch „Intuition – Wie wir lernen, unserem Bauchgefühl zu vertrauen“ (Lingen Verlag 2017) empfiehlt Kruljac, öfter der eigenen Intuition zu vertrauen und damit zu wachsen. Das Buch basiert u.a. auf einer eigenen wissenschaftlichen Studie des Autors, für die er fünf prominente Experten für Achtsamkeit und Meditation interviewt hat, darunter u.a. Dr. Gerald Grisse, früherer Generaldirektor bei der EZB.

Was ist Intuition?

Für manche ist Intuition das Gefühl oder der Instinkt, in einer bestimmten Situation etwas zu tun oder zu unterlassen. Es kann aber auch ein Geistesblitz sein, ein guter Einfall. Für andere gehören auch außersinnliche Fähigkeiten dazu. Intuition kann sich im Körper, in Gedanken und Gefühlen oder auch in inneren Bildern ausdrücken. Kruljac nähert sich dem Begriff zunächst anhand wissenschaftlicher Quellen. Demnach ist Intuition nicht nur die Begabung, gute Entscheidung zu treffen, ohne die zugrundeliegenden Zusammenhänge komplett zu verstehen, sondern es kann auch eine Erkenntnis sein, die Einsicht in größere Zusammenhänge eröffnet und über logische Denkprozesse hinausgeht.

Was tun?

Der Leser erhält mit dem Buch konkrete Entscheidungshilfen: Wann ist es sinnvoll, dem „langsamen Denken“ und Abwägen rationaler Argumente zu vertrauen, und wann sollte man auf sein Bauchgefühl hören? Auf den Punkt gebracht schreibt Kruljac, dass bei komplexen Sachverhalten die Intuition oft von hohem Wert für Entscheidungen sein kann. Wenn es aber um Genauigkeit gehe, sei das bewusste Denken im Vorteil. Intuition geht aber über die Entscheidungsfindung hinaus. Für Kruljac bedeutet Intuition tieferes, ganzheitliches Wissen. „Diese Art von Wissen, man könnte auch von Weisheit sprechen, schafft ein Urvertrauen, es schenkt ein Gefühl der Sicherheit und ermöglicht das Loslassen einschränkender Konzepte und Sorgen und so ein gelassenes und zufriedenes Leben“, schreibt Kruljac.

Zugang freilegen

Wie finden wir Zugang zur Intuition? Für rational geschulte Menschen kann das schwierig sein. So räumt zum Beispiel Gerald Grisse ein, dass Intuition für ihn lange kein Thema war. Er habe seine innere Stimme früher nicht wahrgenommen und musste lange an sich arbeiten, um „die Überlagerung des ganzen Lebens mit Verstand und Denken und Wissen durchscheinend zu machen“. Letztlich gehört zu intuitiven Entscheidungen das Vertrauen in höheres Wissen, das über den Verstand hinausreicht. Heute sagt Grisse: „Es passiert etwas wie Intuition, aber ich suche sie nicht. Ich werde offener für das, was ist, und lasse die Illusion los, dass ich in meinem Leben etwas Bestimmtes tun oder erreichen müsste.“

Als Weg zur Intuition empfiehlt Kruljac Achtsamkeitstraining und Meditation, zum Beispiel Zen oder Kontemplation. „Was hilft ist jegliche Art von Augenblicklichkeit oder Im-Augenblick-Sein, also Achtsamkeit für den Augenblick, ohne den Verstand parallel laufen zu lassen“, hebt Grisse hervor. Kruljac stellt im Buch fünf Übungen vor, um die Intuition zu schulen, und ein Schema, mit dem man überprüfen kann, ob es sich bei einer Einsicht tatsächlich um eine Intuition handelt oder um etwas anderes. Im Achtsamkeitsblog des Verlags gibt der Autor darüber hinaus drei Tipps aus seiner eigenen Erfahrung mit auf den Weg:

• Neben dem logischen Denken lohnt es sich öfters auf die Intuition zu hören. Dazu halte ich inne und lausche meiner inneren Stimme.

• Mein Körper hat die innere Weisheit und kann mir in Form von Körperempfindungen hilfreiche Signale liefern.

• Es hilft mir zu wissen, dass ich nicht für alles eine Lösung ausdenken muss. Ich kann mich auch auf mein Unbewusstes verlassen und ihm die Arbeit überlassen.