Intuition und Transzendenz

In der Spiritualität des Ostens und des  Westens  wird Intuition primär im Sinne einer mystischen Erfahrung bzw. eines Begreifens, das oft als Erleuchtung beschrieben wird und über das Alltagsbewusstsein hinausgeht, verstanden. Der Astronaut Edgar Mitchell schildert eine solche spontane Erfahrung mit folgenden Worten:

„Irgendwie fühlte ich mich plötzlich im Einklang mit etwas viel Größerem, […] Etwas unbeschreiblich Großes. Sogar heute noch bin ich perplex wegen der Wahrnehmung […] In mir quoll eine neue Erkenntnis empor, die mit einem Gefühl der vollständigen Harmonie einherging, ein Gefühl der Verbundenheit […]. Ich war Teil eines größeren natürlichen Prozesses, als ich angenommen hatte, ein Prozess, in den ich eingebettet war“ (zitiert nach Hobohm).

Der japanische Zen-Meister Kôun Yamada äußerte sich dazu folgendermaßen: „Die wesentliche Welt kann nicht durch Nachdenken, intellektuelle Betrachtung oder philosophische Begriffsarbeit erfasst werden. Der einzige Weg dahin ist, sie durch unsere eigene lebendige Erfahrung zu erkennen.“

Eine genaue Sichtung verschiedener Zeugnisse lässt eine gewisse Einheitlichkeit mystischer Erfahrungen erkennen, die trotz geographischer, chronologischer und kultureller Unterschiede vorhanden ist. Die Erlebnisse wurden nur abhängig von Kultur und Bildungsstand unterschiedlich interpretiert.

Ein anderes Verständnis für die Intuition im spirituell-religiösen Sinne sind Visionen und Offenbarungen. Nach dem Benediktinermönch und Zen-Meister Willigis Jäger wird in den theistischen Religionen darunter „die Kundgabe des göttlichen Willens“ verstanden. Dies sind Botschaften, die sich in verschiedenen Bildern, Zeichen und Gestalten und abhängig von der religiösen Prägung auch in Form eines archaischen Gottesbildes zeigen können. „Es sind Bilder, die aus der strukturlosen Tiefe aufsteigen und in Informationen und rational verstehbare Erkenntnisse fließen.“ Jägers Ansicht nach ist dabei die Botschaft und nicht die Erscheinung von Bedeutung.

Einige Erklärungsansätze für Intuitionen kommen aus dem Bereich der Quantenphysik und der Biologie. Hypothesen bilden sich hier auf der Grundlage von energetischen Informationsfeldern, die eine Art kollektives Gedächtnis beinhalten. Einer der bekanntesten Vertreter dieser Denkweise ist Rupert Sheldrake, der in Cambridge Biologie sowie in Harvard Philosophie studierte. Dieser wurde mit seiner Theorie der morphischen Felder weltweit bekannt. Er führte zahlreiche wissenschaftliche Experimente durch, die die Existenz der Phänomene wie Telepathie und Präkognitionen beweisen sollen.

Laut Sheldrake, kann der menschliche Geist nicht auf den materiellen Aspekt wie dem Organ Gehirn reduziert werden. Experimente die Shaldrake durchführte, waren statistisch sehr signifikant und konnten zeigen, dass der Geist auch außerhalb des Körpers eine Wirkung haben kann. Eine ähnliche Auffassung teilt auch der Quantenphysiker und ehemalige Direktor am Max-Planck-Institut für Physik, Hans-Peter Dürr. Er ist der Ansicht, dass die meisten Biologen und Hirnforscher die Sicht der alten Physik vertreten und somit alles auf eine reduzierte „materiell-energetische Realität“ zurückführen wollen. Der Neurowissenschaftler Damasio meint dazu: „Angesicht unserer unvollständigen Kenntnisse über Biologie wie auch über Physik sollte man mit der Ablehnung von Erklärungsalternativen vorsichtig sein. Schließlich ist unser Wissen vom Gehirn des Menschen trotz aller Fortschritte der Neurobiologie nach wie vor sehr lückenhaft.“

Damasio, Antonio R. (2011): Selbst ist der Mensch. Körper, Geist und die Entstehung des menschlichen Bewusstseins. München: Siedler Verlag.
Dürr, Hans-Peter (2012): Geist, Kosmos und Physik. Gedanken über die Einheit des Lebens. 6. Aufl., Amerang: Crotona Verlag.
Hobohm, Heinz-Uwe (2013): Vom Verstand zur Intuition. Wie man die Sackgasse Egoismus überwindet. Petersberg: Via Nova Verlag.
Jäger, Willigis (2003): Suche nach dem Sinn des Lebens. Bewusstseinswandel durch den Weg nach innen. Vorträge, Ansprachen, Erfahrungsberichte. 8. Aufl., Petersberg: Via Nova Verlag.
Sheldrake, Rupert (1999): Kosmische Intelligenz – Der Dialog zwischen Wissenschaft und Spiritualität. In: Pieter Loomans (Hg.): Meditation und transpersonale Psychologie. Der Alltag als Übung. Petersberg: Via Nova Verlag, S. 30-31